Mindmap zum Lernen: Was die Forschung zeigt
Zwei Stunden an einer schönen Mindmap gearbeitet und im Test nichts gewusst? Was Mindmaps bringen und wie du sie sinnvoll zum Lernen nutzt.
Es ist der Abend vor einem Biologie-Testat. Du hast zwei Stunden an einer Mindmap zur Zelle gearbeitet: sechs Farben, saubere Äste und kleine Zeichnungen von Mitochondrien. Sie sieht großartig aus. Dann sitzt du im Testat und bei der Frage zum Membrantransport fällt dir nichts ein.
Die Mindmap war nicht nutzlos. Aber wie du sie erstellst und was du danach damit machst, ist wichtiger als ihr Aussehen.
Bei einer Mindmap schreibst du ein Hauptthema in die Mitte eines Blatts und ordnest verwandte Ideen auf davon ausgehenden Ästen an. Forschung zu ähnlichen Knoten-Verbindungs-Diagrammen zeigt, dass das Erstellen mehr bringt als bloßes Lesen oder Zuhören. Der Vorteil gegenüber anderen aktiven Tätigkeiten wie Gliedern oder Zusammenfassen ist aber nur klein. In einem direkten Vergleich war das Abrufen aus dem Gedächtnis wirksamer als Concept Mapping.
Was eine Mindmap ist
Eine Mindmap beginnt mit einem zentralen Thema. Davon gehen Hauptthemen ab, von denen wiederum Details abzweigen. Du verwendest Stichwörter statt vollständiger Sätze und kannst Äste miteinander verbinden, die zusammengehören.
Der britische Autor Tony Buzan machte den Begriff in den 1970er-Jahren durch eine BBC-Fernsehserie und sein Buch Use Your Head bekannt (Buzan, 1974). Verzweigte Diagramme gab es schon lange davor. Unter einer Mindmap verstehen die meisten Studierenden aber seine Variante.
Mindmaps und Concept Maps im Vergleich
Eine nahe Verwandte ist die Concept Map, auf Deutsch auch Begriffslandkarte genannt. Bei ihr tragen die Linien zwischen Ideen Beschriftungen, die ihre Beziehung erklären, etwa "erzeugt" oder "ist eine Art von". Eine Mindmap geht normalerweise strahlenförmig von einer Mitte aus und lässt die Äste unbeschriftet.
Dieser Unterschied ist wichtig, weil die meiste Forschung Concept Maps und ähnliche Knoten-Verbindungs-Diagramme untersucht, nicht Mindmaps im Stil von Buzan. Die folgenden Ergebnisse sind also die beste Annäherung, kein direkter Test der farbigen Mindmap in deinem Heft.
Was die Forschung zeigt
Eine Map zu erstellen ist wirksamer als passives Lernen. Eine Metaanalyse von 55 Studien mit 5.818 Studierenden ergab, dass das Erstellen von Concept Maps in den nordamerikanischen Studien deutlich besser abschnitt als Vorlesungen oder Seminardiskussionen (g = 0,74). Eine fertige Map zu lernen war etwas wirksamer als einen Textabschnitt (g = 0,39) oder eine Gliederung beziehungsweise Liste zu lernen (g = 0,28) (Nesbit & Adesope, 2006).
Andere aktive Tätigkeiten sind aber fast genauso gut. Im Vergleich zu Studierenden, die Texte oder Gliederungen schrieben, schnitten jene mit Maps nur geringfügig besser ab (g = 0,19). Die Autoren bezweifelten, dass ein so kleiner Effekt in der Praxis viel ausmacht. Ihrer Einschätzung nach entsteht ein großer Teil des Nutzens dadurch, dass du dich beim Erstellen aktiver mit dem Stoff beschäftigst als beim Lesen oder Zuhören (Nesbit & Adesope, 2006).
Eine neuere Metaanalyse ist positiver. Schroeder und Kollegen (2018) bündelten 142 Effektstärken von 11.814 Lernenden. Sie fanden insgesamt einen mittleren Vorteil (g = 0,58), der beim Erstellen von Maps größer war (g = 0,72) als beim Lernen mit fertigen Maps (g = 0,43). Diese Werte vergleichen Maps mit unterschiedlichen Unterrichtsbedingungen, nicht gezielt mit Selbsttests.
Die Mindmap-Studie. In einem der wenigen Experimente speziell zu Mindmaps lernten 50 Medizinstudierende einen Text mit 600 Wörtern. Eine Woche später erinnerte sich die Mindmap-Gruppe nach Bereinigung der Ausgangsunterschiede an etwa 10 % mehr Fakten als die Gruppe mit ihren gewohnten Methoden. Das Konfidenzintervall reichte von -1 % bis 22 %. Der tatsächliche Effekt könnte also nahe null gelegen haben. Außerdem empfanden die Studierenden Mindmaps als weniger motivierend (Farrand et al., 2002).
Selbsttests schnitten besser ab. In einem bekannten Experiment erstellten Studierende entweder Concept Maps zu einem naturwissenschaftlichen Text oder übten, ihn aus dem Gedächtnis abzurufen. Das Abruftraining führte zu mehr Lernerfolg, auch bei Fragen, die Schlussfolgerungen verlangten, und sogar dann, wenn im Abschlusstest eine Concept Map gezeichnet werden sollte (Karpicke & Blunt, 2011).
Was hilft: Mindmaps zum Abrufen nutzen
- Lies zuerst den Stoff. Schließe dann das Buch oder die Folien.
- Zeichne die Mindmap aus dem Gedächtnis. Schreibe das Thema in die Mitte und ergänze jeden Ast, an den du dich erinnerst. Verwende Stichwörter, keine Sätze.
- Vergleiche sie mit deinen Notizen. Ergänze Fehlendes in einer anderen Farbe. Diese Lücken bilden deine Lernliste.
- Beschrifte Verbindungen. Ziehe Linien zwischen zusammengehörigen Ästen und schreibe dazu, wie sie zusammenhängen. So wird aus einer versteckten Liste eine Erklärung.
- Zeichne sie ein paar Tage später erneut, wieder aus dem Gedächtnis, und vergleiche beide Versionen. Halte die Mindmap grob. Zehn unordentliche Minuten bringen mehr als zwei ordentliche Stunden.
So eingesetzt wird die Mindmap zu einer Form von Active Recall, also dem Teil mit der stärksten Evidenz.
Was wir nicht behaupten
- Dass Mindmaps das Gedächtnis nachweislich um einen festen Prozentsatz verbessern. Die oft genannten 10 % stammen aus einer einzelnen Studie mit 50 Studierenden und einem Konfidenzintervall, das null einschließt.
- Dass Mindmaps funktionieren, weil "das Gehirn in Netzen arbeitet". Die Forschung deutet darauf hin, dass der größte Nutzen aus der aktiven Beschäftigung mit dem Stoff entsteht. Das leisten auch andere Methoden.
- Dass eine schöne Mindmap bedeutet, dass du das Thema beherrschst. Gutes Aussehen ist nicht dasselbe wie die Fähigkeit, den Inhalt abzurufen.
FAQ
Sind Mindmaps zum Lernen wirksam?
Maps selbst zu erstellen hilft tendenziell mehr als Lesen oder Zuhören, aber nur wenig mehr als andere aktive Methoden wie das Gliedern. Am besten funktioniert es, wenn du die Mindmap aus dem Gedächtnis zeichnest und danach prüfst. So wird sie zum Selbsttest.
Was ist der Unterschied zwischen Mindmap und Concept Map?
Eine Mindmap geht von einem zentralen Thema aus und verwendet meist unbeschriftete Linien. Eine Concept Map kann mehrere zentrale Ideen haben und beschriftet die Verbindungen, etwa mit "verursacht" oder "ist Teil von". Die meiste Forschung bezieht sich auf Concept Maps.
Wie erstelle ich eine Mindmap zur Prüfungsvorbereitung?
Schreibe das Thema in die Mitte und ergänze ohne Nachsehen alles, woran du dich erinnerst. Vergleiche die Mindmap mit deinen Notizen, füge Fehlendes in einer anderen Farbe hinzu und konzentriere dein Lernen auf diese Lücken.
Sollte ich Mindmaps auf Papier oder digital erstellen?
Für keine der beiden Varianten gibt es gute Belege für einen Vorteil. Auf Papier zeichnest du schnell aus dem Gedächtnis, Apps lassen sich leichter bearbeiten und teilen. Wähle die Variante, die du tatsächlich neu zeichnen und überprüfen wirst.
Weiterlesen
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- Active Recall: die Lernmethode, die viele auslassen
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Quellen
- Buzan, T. (1974). Use Your Head. BBC Publications.
- Farrand, P., Hussain, F., & Hennessy, E. (2002). The efficacy of the 'mind map' study technique. Medical Education, 36(5), 426-431. doi.org/10.1046/j.1365-2923.2002.01205.x
- Karpicke, J. D., & Blunt, J. R. (2011). Retrieval practice produces more learning than elaborative studying with concept mapping. Science, 331(6018), 772-775. doi.org/10.1126/science.1199327
- Nesbit, J. C., & Adesope, O. O. (2006). Learning with concept and knowledge maps: A meta-analysis. Review of Educational Research, 76(3), 413-448. doi.org/10.3102/00346543076003413
- Schroeder, N. L., Nesbit, J. C., Anguiano, C. J., & Adesope, O. O. (2018). Studying and constructing concept maps: A meta-analysis. Educational Psychology Review, 30(2), 431-455. doi.org/10.1007/s10648-017-9403-9
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