Warum du vergisst · 08

Effektive Lernmethoden: Was wirklich funktioniert

Du hast alles aufgeschrieben. Kannst du es auch abrufen? Diese Lernmethoden sind gut belegt, andere bringen weniger als gedacht.

5 Min. LesezeitLernforschung

Video auf Englisch

Du warst in jeder Vorlesung. Du hast alles mitgeschrieben. Deine Notizen sind ordentlich und vollständig. Kannst du den Stoff auch abrufen?

Zwischen „Ich habe es aufgeschrieben“ und „Ich kann es“ liegt eine Lücke. Die meisten Lernmethoden schließen sie nicht.

Die am besten belegten Lernmethoden sind Selbsttests und über mehrere Tage verteiltes Lernen. Warum-Fragen und gemischte Aufgabentypen helfen ebenfalls. Wiederlesen und Markieren, auf die sich viele Studierende verlassen, gehören zu den schwächsten Methoden. Aufschreiben ist der Anfang des Lernens, nicht das Ende.

Was die Forschung sagt

Eine große Übersichtsarbeit bewertete zehn verbreitete Lernmethoden danach, wie gut sie bei unterschiedlichen Lernenden, Materialien und Prüfungen funktionieren (Dunlosky et al., 2013):

MethodeBewertung
Sich selbst testenHoch
Lernen über längere Zeit verteilenHoch
Nach dem Warum fragenMittel
Sich den Stoff selbst erklärenMittel
Aufgabentypen mischenMittel
ZusammenfassenNiedrig
MarkierenNiedrig
WiederlesenNiedrig
Schlüsselwort-MerksystemeNiedrig
Sich den Text bildlich vorstellenNiedrig

Die Reihe Warum du vergisst behandelt die wichtigsten Ergebnisse nacheinander:

  1. Vergessen ist der Normalfall. Ohne erneuten Kontakt verschwindet der größte Teil des Gelernten schon am ersten Tag. Die Vergessenskurve.
  2. Vertraut ist nicht erinnert. 84 % der Studierenden lesen ihre Notizen erneut, nur 11 % testen sich selbst. Wiederlesen macht die Seite vertraut, aber den Stoff nicht abrufbar. Warum Wiederlesen nicht funktioniert.
  3. Abrufen schlägt Wiederlesen. Eine Woche später erinnerten Studierende nach aktivem Abrufen 61 % einer Passage. Nach 14-maligem Lesen waren es 40 %. Active Recall.
  4. Verteil dieselben Stunden. Bei gleicher Lernzeit erreichte verteiltes Lernen über mehrere Tage 47 %, geballtes Lernen 37 %. Spaced Repetition.
  5. Frag in deinen eigenen Worten nach dem Warum. Wenn Studierende die Begründung selbst erarbeiteten, erinnerten sie sich an ungefähr doppelt so viel. Eine vorgegebene Begründung half nicht. Lernen mit Warum-Fragen.
  6. Misch, was du unterscheiden musst. Gemischtes Üben führte in einem Test am nächsten Tag zu 77 %. Wurde jeweils nur ein Typ geübt, waren es 38 %. Interleaving.
  7. Vertrau dem Test, nicht dem Gefühl. Die meisten Studierenden lernten mit der Methode besser, von der sie glaubten, sie funktioniere schlechter. Erwünschte Erschwernisse.

Eine Routine für heute Abend

Wähl ein Fach. Dann:

  1. Schließ deine Notizen.
  2. Schreib auf, woran du dich erinnerst. Ein leeres Blatt, fünf Minuten, nicht nachsehen.
  3. Prüf, was gefehlt hat. Markier die Lücken. Genau diese Stellen lernst du als Nächstes.
  4. Trag den nächsten Termin in deinen Kalender ein. Fang in ein paar Tagen wieder mit einem leeren Blatt an.

Damit verbindest du Abrufen, Lücken und verteiltes Lernen in etwa 15 Minuten. Fang heute Abend mit einem Fach an.

Was wir nicht behaupten

  • Dass „niedriger Nutzen“ nutzlos bedeutet. Durch Wiederlesen begegnest du dem Stoff zum ersten Mal. Eine gute Zusammenfassung kann ebenfalls helfen. Als wichtigste Prüfungsvorbereitung sind beide nur schwach.
  • Dass eine Methode alles löst. Am besten wirken die Methoden zusammen: abrufen, zeitlich verteilen, das Warum erarbeiten und Aufgabentypen mischen.
  • Dass die genauen Zahlen in deinem Kurs gleich ausfallen. Jede Zahl stammt aus einer bestimmten Studie. Die Richtung ist in der Forschung beständig, die Größe des Effekts variiert.

FAQ

Welche Lernmethoden sind am effektivsten?

Die stärksten Belege gibt es für Selbsttests und zeitlich verteilte Lerneinheiten. Warum-Fragen, Selbsterklärungen und gemischte Aufgabentypen helfen ebenfalls.

Welche Lernmethoden funktionieren nicht gut?

Wiederlesen, Markieren und Zusammenfassen wurden in der größten Übersichtsarbeit als wenig nützlich bewertet. Sie fühlen sich produktiv an, bewirken für das Gedächtnis aber deutlich weniger als Selbsttests.

Wie lerne ich effektiv für eine Prüfung?

Fang früh genug an, um das Lernen zu verteilen. Ruf in jeder Einheit zuerst Wissen ab und prüf es danach. Erarbeite, warum etwas stimmt, und übe in der letzten Woche mit gemischten Aufgabensätzen. Schlaf in der Nacht vor der Prüfung.

Womit soll ich anfangen?

Mit einem Fach und der Routine aus vier Schritten oben. Sie dauert etwa 15 Minuten und verbindet die beiden stärksten Methoden.

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Quellen

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  • Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving students' learning with effective learning techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4-58. doi.org/10.1177/1529100612453266
  • Karpicke, J. D., Butler, A. C., & Roediger, H. L., III. (2009). Metacognitive strategies in student learning: Do students practise retrieval when they study on their own? Memory, 17(4), 471-479. doi.org/10.1080/09658210802647009
  • Kornell, N., & Bjork, R. A. (2008). Learning concepts and categories: Is spacing the "enemy of induction"? Psychological Science, 19(6), 585-592. doi.org/10.1111/j.1467-9280.2008.02127.x
  • Pressley, M., McDaniel, M. A., Turnure, J. E., Wood, E., & Ahmad, M. (1987). Generation and precision of elaboration: Effects on intentional and incidental learning. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 13(2), 291-300. doi.org/10.1037/0278-7393.13.2.291
  • Roediger, H. L., III, & Karpicke, J. D. (2006). Test-enhanced learning: Taking memory tests improves long-term retention. Psychological Science, 17(3), 249-255. doi.org/10.1111/j.1467-9280.2006.01693.x
  • Taylor, K., & Rohrer, D. (2010). The effects of interleaved practice. Applied Cognitive Psychology, 24(6), 837-848. doi.org/10.1002/acp.1598

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